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SCHMERZTHERAPIEZENTRUM |
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HANDGELENKSSCHMERZEN
Manche Autoren schreiben diese Begriff auch nur mit einem s (Handgel enkschmerzen)
Zunächst zur Anatomie (= Lehre vom Aufbau des Körpers) des Handgelenks:
Am Handgelen k sind mehrere Knochen beteiligt. Der wichtigste ist die Speiche (lat.: Radius). Die Speiche ist für die Bewegung im daumenseitigen Handgelen k zuständig. Auf der Seite des Kleinfingers wird ein kleiner Teil des Handgelenks von der Elle mit ihrem Griffelfortsatz gebildet. Dazwischen, im Bereich der Handwurzel, sind das Kahn- und Mondbein, am Gelenk beteiligt.
| Röntgenbild des Handgelenks: 1) Ulna (= Elle) 2) Radius (= Speiche) 3) Gelenkspalt 4) Processus styloideus ulnae (= Griffelfortsatz der Elle) 5) Os lunatum (= Mondbein) 6) Os naviculare (Kahnbein) |
Handgelenksschmerzen können viele Ursachen haben. Zur besseren Übersicht teilen wir diese in drei Gruppen:
Handgelenksschmerzen, die auf eine Eigenerkrankung zurückzuführen sind
Handgelenksschmerzen bei
Gelenkentzündungen im Rahmen
einer Systemerkrankung.
Meist sind dabei mehrere Gelenke betroffen. In
dieser Gruppe dominieren rheumatische bzw. rheumatoide
(= rheumaähnliche)
Ursachen.
Bei der primär chronischen
Polyarthritis
(PcP, rheumatoide Arthritis, Polyarthritis rheumatica), handelt es sich um
chronische, unterschiedlich fortschreitend verlaufende, entzündliche,
destruierende
(= mit Zerstörung
einhergehenden)
Gelenkserkrankungen mit
Beteiligung aller gelenkigen Strukturen. Es besteht die Tendenz zur
Bewegungseinschränkung bis hin zu einer An
kylosierung
(= vollständige Gelenksteife),
aber auch zum Stabil
itätsverlust der Gelenke, Beteiligung von Sehnenscheiden (Tendosynovitis)
und Seh
nen mit entsprechenden Folgezuständen. Vor allem in Gelenknähe bilden sich Rheu
maknoten unter der Haut. Typisch sind auch Muskelatrophien
(= Verringerung der Muskelmasse),
vor allem im Bereich des Handrückens.
Im Jugendal
ter können
Handgelenksschmerzen im Rahmen einer
systemischen j uven
ilen
chronischen Arthritis (Still Syndrom) auftreten,
eine meist symmetrisch verteilte Polyarthritis
(=
Entzündung mehrerer Gelenke).
Begleitende Kran
kheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie
Schwellungen der Lymphknoten.
Auch die Schuppenflechte (Psoriasis) kann
zu einem Schmerz im Handgelen
k führen. Bei der
Arthritis psoriat ica handelt es sich um
eine fortschreitende, gelenkzerstörende Erkrankung, hauptsächlich
Hände und
Füße betreffend.
Bei oder nach
Infektions krankheiten (z.B. Masern, Mumps,
Röteln, Windpocken) kann es ebenfalls zu
einem Schmerz im Handgelen
k kommen, eine sog. para
infektiöse reaktive Arthritis.
Schließlich können Handgelenksschmerzen auch im Rahmen der Gicht-Erkrankung
auftreten, die sog. Gichtarthritis
oder Gelenkgicht.
Andere
Ursachen
In der Regel vorübergehend nach Verletzungen (Fraktur, Prellung, Quetschung,
Zerrung, Verbrennung usw.),
auch nach Überlastungen und Verschleiß (z.B. Sport, Musizieren, schwere körperliche
Arbeit).
Auch Ganglien
(= gallerthaltiges Gebilde an Gelenken und oberflächliche Sehnen des Hand- und Fußrückens)
können zu
Handgelenksschmerzen
führen. Zu heftigen
Gelenkschmerzen
kommt es häufig bei einem Morbus Sudeck
(CRPS
Typ I bzw.
komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ I)
im Handbereich oder selten auch als einziges Symptom (=
Krankheitszeichen) bei einer Borreliose.
Schließlich ist noch erwähnenswert, daß auch eine Styloiditis
(= Entzündung des Griffel
fortsatzes)
zu einem
Handgelen
kschmerz
führen kann, ebenso eine Nekrose des Os lunatum, auch als
Mor
bus Kienböck oder Mondbeintod
bezeichnet (= Absterben des Mondbeins).
Schmerzbehandlung bei Handgelenksschmerzen
Medikamentöse Therapie:
Akut
(= plötzlich auftretend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können
zunächst (vorwiegend) peri pher wirkende Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Mittel gegen Rheu ma),
aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und
mag
enschonende wie z.B.
Meloxicam.
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib,
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei einer längeren Behandlungsdauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch vom Mar
kt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Verspannungen der Muskulatur können zusätzlich auch
Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Mus kelentspannung) (z.B.
Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die
Schmerzen nur mit zentral wirkenden
Schmerzmittel ((z.B. Tramadol,
Tilidin, Oxycodon (Tilidin
oder Oxycodon auch mit Naloxon) oder Morphin)) (= im
Gehirn bzw.
Rückenmark wirkende
Schmerzmedikamen
te)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei
Handgelenksschmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der
Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden. Die Kombination mit schmerzd
istanzierenden Ant
idepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch
bei einem chronischen Schmerz hilfreich) (z.B.
Doxepin, Maprotilin) oder
Neuroleptika (= Nervendämpfungsmittel)
hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäub
ungsmittel):
Bei einem anhaltenden Schmerz sollten rechtzeitig al
ternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative,
ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die
therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen
Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäu
bungen und auch Nervenblockaden. Dabei wird das schmerzende Gelenk
wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär
(= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert.
Das schmerzhafte Gelenk kann auch mit "Zeel®" umspritzt werden, was Patienten
mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt.
Als nächst höhere Therapiestufe kommt bei anhaltenden
Handgelenksschmerzen vorübergehend
eine (über ca. 12-16 Tage) kontinuierliche Blockade*
des Plexus brachialis (= Nervengeflecht des Armes) zum Einsatz. Da
diese Nervenstruktur reich an vegetat iven
(= das unwillkürliche Nervensystem betreffenden) Nervenfasern ist, tritt
neben der nozizeptiven (= die Schmerzreizleitung betreffenden) Hemmung
auch eine ausreichende Sympathikolyse (= Gefäßerweiterung) ein.
Bei herabgesetzter Konzentration des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 10 bis 15
ml Bupivacain, 0,1 bis 0,15%) bleibt die Motorik (= Muskelkraft)
erhalten, so daß begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind.
Diese Methode kann zeitgleich auch beiderseits durchgeführt werden, aus
Sicherheitsgründen sollte bei repet itiver
Applikation (= wiederholter Einzelverabreichung) diese al
ternierend (=
im Wechsel) erfolgen.
Eine weitere Therapiemöglichkeit sind auch engmaschig wiederholte Blockaden des
Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
Daß örtliche Betäubungsmittel auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Hier erfahren Sie mehr darüber.
Physikalische Therapie:
Auch eine Elektrostimulation kann bei
Handgelenksschmerzen
(chronische) eine
Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit
Niederfrequenz
Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur zur Therapie chronische
r Handgelenksschmerzen nicht
unerwähnt bleiben.
Hypnoide
(=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxat
ion nach Jakobson sind im Rahmen
einer schmerzpsychologischen Mitbehandlung auch bei
Gelen kschmerzen eine
sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Auch ist
ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
* Bei der sog. kontinuierlichen (= anhaltenden) Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vorübergehend (ca. 10-14 Tage lang) dicht an Nervenstrukturen eingepflanzt. Die Einpflanzung mit Hilfe einer handelsüblichen Kanüle, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, mehrmals täglich das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos eingespritzt. Zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch kann auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche (z.B. Arthritis) oder auch degenerative (Handgelenksart hrose !) Prozesse zurückzuführen sind, sehr hilfreich ist, denn eine gute Durchblutung wirkt en tzündlichen und degenerativen Schmerzursachen kausal (= ursächlich) entgegen.
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