SCHMERZTHERAPIEZENTRUM
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HANDGELENKSSCHMERZEN

Manche Autoren schreiben diese Begriff auch nur mit einem s (Handgel enkschmerzen)

Zunächst zur Anatomie (= Lehre vom Aufbau des Körpers) des Handgelenks:

Am Handgelen k sind mehrere Knochen beteiligt. Der wichtigste ist die Speiche (lat.: Radius). Die Speiche ist für die Bewegung im daumenseitigen Handgelen k zuständig. Auf der Seite des Kleinfingers wird ein kleiner Teil des Handgelenks von der Elle mit ihrem Griffelfortsatz gebildet. Dazwischen, im Bereich der Handwurzel, sind das Kahn- und Mondbein, am Gelenk beteiligt.

Röntgenbild des Handgelenks:

1) Ulna (= Elle)

2) Radius (= Speiche)

3) Gelenkspalt

4) Processus styloideus ulnae (= Griffelfortsatz der Elle)

5) Os lunatum (= Mondbein)

6) Os naviculare (Kahnbein)

Quelle: http://www.dr-gumpert.de/html/handgelen k.html

Handgelenksschmerzen können viele Ursachen haben. Zur besseren Übersicht teilen wir diese in drei Gruppen:

  1. Handgelenksschmerzen, die auf eine Eigenerkrankung zurückzuführen sind.
    An erster Stelle wäre hier die Arthrose zu nennen, eine vorwiegend degenerative (= abnutzungsbedingte) Gelenkerkrankung, die überwiegend aber erst im fortgeschrittenen Alter auftritt.
    Die Ausbildung einer Arthrose im Handgelen k und die damit verbundenen Schmerzen kann durch mehrere Faktoren begünstigt werden. So z.B. Überlastungen (z.B. Arbeit am Computer), Vorschädigung infolge eines Unfalls oder auch eigenständige Gelenkentzündung (Handgelenkarthritis). Selten können Tumore Handgelenksschmerzen verursachen, meist gehen diese von der Innenhaut der Gelenkkapsel (Membrana synovialis) oder von der Gelenkkapsel selbst aus.
    Eine Arthritis, also eine (isolierte) Entzündung des Handgelenks tritt im Vergleich mit anderen Gelenken (z.B. Hüft- oder Kniegelenke) relativ selten auf.

  2. Handgelenksschmerzen bei Gelenkentzündungen im Rahmen einer Systemerkrankung.
    Meist sind dabei mehrere Gelenke betroffen. In dieser Gruppe dominieren rheumatische bzw. rheumatoide
    (= rheumaähnliche) Ursachen.
    Bei der primär chronischen Polyarthritis (PcP, rheumatoide Arthritis, Polyarthritis rheumatica), handelt es sich um chronische, unterschiedlich fortschreitend verlaufende, entzündliche, destruierende
    (= mit Zerstörung einhergehenden) Gelenkserkrankungen mit Beteiligung aller gelenkigen Strukturen. Es besteht die Tendenz zur Bewegungseinschränkung bis hin zu einer An kylosierung (= vollständige Gelenksteife), aber auch zum Stabil itätsverlust der Gelenke, Beteiligung von Sehnenscheiden (Tendosynovitis) und Seh nen mit entsprechenden Folgezuständen. Vor allem in Gelenknähe bilden sich Rheu maknoten unter der Haut. Typisch sind auch Muskelatrophien (= Verringerung der Muskelmasse), vor allem im Bereich des Handrückens.
    Im Jugendal
    ter können Handgelenksschmerzen im Rahmen einer systemischen j uven ilen chronischen Arthritis (Still Syndrom) auftreten, eine meist symmetrisch verteilte Polyarthritis (= Entzündung mehrerer Gelenke). Begleitende Kran kheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie Schwellungen der Lymphknoten.
    Auch die Schuppenflechte (Psoriasis) kann zu einem Schmerz im
    Handgelen k führen. Bei der Arthritis psoriat ica handelt es sich um eine fortschreitende, gelenkzerstörende Erkrankung, hauptsächlich Hände und Füße betreffend.
    Bei oder nach Infektions krankheiten (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) kann es ebenfalls zu einem Schmerz im
    Handgelen k kommen, eine sog. para infektiöse reaktive Arthritis.
    Schließlich können Handgelenksschmerzen auch im Rahmen der Gicht-Erkrankung auftreten, die sog. Gichtarthritis oder Gelenkgicht.

  3. Andere Ursachen
    In der Regel vorübergehend nach Verletzungen (Fraktur, Prellung, Quetschung, Zerrung, Verbrennung usw.), auch nach Überlastungen und Verschleiß (z.B. Sport, Musizieren, schwere körperliche Arbeit).
    Auch Ganglien
    (= gallerthaltiges Gebilde an Gelenken und oberflächliche Sehnen des Hand- und Fußrückens) können zu Handgelenksschmerzen führen. Zu heftigen Gelenkschmerzen kommt es häufig bei einem Morbus Sudeck (CRPS Typ I bzw. komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ I) im Handbereich oder selten auch als einziges Symptom (= Krankheitszeichen) bei einer Borreliose.
    Schließlich ist noch erwähnenswert, daß auch eine Styloiditis
    (= Entzündung des Griffel fortsatzes) zu einem
    Handgelen kschmerz führen kann, ebenso eine Nekrose des Os lunatum, auch als Mor bus Kienböck oder Mondbeintod bezeichnet (= Absterben des Mondbeins).


Schmerzbehandlung bei Handgelenksschmerzen

Medikamentöse Therapie:
Akut
(= plötzlich auftretend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peri pher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika (= Mittel gegen Rheu ma), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und mag enschonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei einer längeren Behandlungsdauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch vom Mar kt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Verspannungen der Muskulatur können zusätzlich auch
Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Mus kelentspannung) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzen nur mit zentral wirkenden Schmerzmittel ((z.B. Tramadol, Tilidin, Oxycodon (Tilidin oder Oxycodon auch mit Naloxon) oder Morphin)) (= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmedikamen te) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei Handgelenksschmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzd istanzierenden Ant idepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei einem chronischen Schmerz hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder Neuroleptika (= Nervendämpfungsmittel) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäub ungsmittel):
Bei einem anhaltenden Schmerz sollten rechtzeitig al ternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäu bungen und auch Nervenblockaden. Dabei wird das schmerzende Gelenk wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär (= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert.
Das schmerzhafte Gelenk kann auch mit "Zeel®" umspritzt werden, was Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt.
Als nächst höhere Therapiestufe kommt bei anhaltenden Handgelenksschmerzen vorübergehend eine (über ca. 12-16 Tage) kontinuierliche Blockade* des Plexus brachialis (= Nervengeflecht des Armes) zum Einsatz. Da diese Nervenstruktur reich an vegetat iven (= das unwillkürliche Nervensystem betreffenden) Nervenfasern ist, tritt neben der nozizeptiven (= die Schmerzreizleitung betreffenden) Hemmung auch eine ausreichende Sympathikolyse (= Gefäßerweiterung) ein.
Bei herabgesetzter Konzentration des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 10 bis 15 ml Bupivacain, 0,1 bis 0,15%) bleibt die Motorik (= Muskelkraft) erhalten, so daß begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind.
Diese Methode kann zeitgleich auch beiderseits durchgeführt werden, aus Sicherheitsgründen sollte bei repet itiver Applikation (= wiederholter Einzelverabreichung) diese al ternierend (= im Wechsel) erfolgen.
Eine weitere Therapiemöglichkeit sind auch engmaschig wiederholte Blockaden des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)

Daß örtliche Betäubungsmittel auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Hier erfahren Sie mehr darüber.

Physikalische Therapie:
Auch eine Elektrostimulation kann bei
Handgelenksschmerzen (chronische) eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenz
generator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem Handgelen k aufgeklebt. Durch Veränderung der Elektrodengröße und der Stimulationsfrequenz kann die Wirkung optimiert werden. Auch eine sog. Hochtontherapie (= Behandlung mit Hochtonfrequenzen, zwischen ungefähr 4.000 und 33.000 Hertz ) kann sehr hilfreich sein
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei chronische
n Handgelenksschmerzen eine oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kal tluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit empfinden allerdings eine lokale Wärmebehandlung (Rot licht) als besser wirksam. Warme Handbäder können ebenfalls lindernd wirken, gleiches gilt für die Wärmekammer (= kleiner Raum der mit Rotlicht erwärmt wird). Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann hilfreich sein.
Nahezu unverzichtbar ist bei Handgelenksschmerzen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, die Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.

Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur zur Therapie chronische
r Handgelenksschmerzen nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxat ion nach Jakobson sind im Rahmen einer schmerzpsychologischen Mitbehandlung auch bei Gelen kschmerzen eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Auch ist ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

* Bei der sog. kontinuierlichen (= anhaltenden) Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vorübergehend (ca. 10-14 Tage lang) dicht an Nervenstrukturen eingepflanzt. Die Einpflanzung mit Hilfe einer handelsüblichen Kanüle, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, mehrmals täglich das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos eingespritzt. Zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch kann auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche (z.B. Arthritis) oder auch degenerative (Handgelenksart hrose !) Prozesse zurückzuführen sind, sehr hilfreich ist, denn eine gute Durchblutung wirkt en tzündlichen und degenerativen Schmerzursachen kausal (= ursächlich) entgegen.

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